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Tschernobyl heißt auf japanisch Fukushima

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Fukushima - wenn die Wahrscheinlichkeitstheorie scheitert

Atomkraftwerk Fukushima11. März 2011, morgens auf dem Weg zur Arbeit kommt die Radiomeldung, dass es in Japan ein schweres Erdbeben gegeben hat. Noch war nicht klar, welches Ausmaß die Katastrophe hat. Wie viele Menschen vom Erdbeben betroffen sind, wusste man zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Direkt habe ich an die vielen Atomkraftwerke in Japan gedacht. Keine Ahnung, wie viele es davon in Japan gibt, ich hatte nur in Erinnerung, dass die Atomkraft in Japan eine wichtige Energiequelle ist.

In den Nachrichten eine Stunde später war das dann auch ein Thema. "Alle Atomkraftwerke haben sich automatisch abgeschaltet", wurde berichtet. Das hörte sich beruhigend an. Japan ist hochtechnisiert, eben technologieführend und alles nach westlichem Standard. Abschalten klingt auch so wie "aus der Gefahrenzone".

Atomkraftwerke lassen sich nicht so einfach abschalten. Das braucht Zeit, und wie wir nun wissen, auch viel Energie, die zur Verfügung stehen muss, da die Brennstäbe über einen langen Zeitraum gekühlt werden müssen.

Im Büro angekommen, habe ich mir darüber keine Gedanken mehr gemacht. Das erste ungute Gefühl war zerstreut, die Atomkraftwerke wurden vorsorglich bereits abgeschaltet.

Abends dann auf dem Weg nach Hause kamen immer neue Meldungen aus Japan. "Das schwerste Erdbeben, das Japan je erlebt hat... Ein Tsunami mit einer 10 Meter hohen Welle... Viele Tote und Verletzte, man tappt noch völlig um Dunkeln, was die Anzahl der Betroffenen angeht..." Dann noch als Randinformation, dass bei einem Atomkraftwerk die Kühlung des Reaktors ausgefallen ist.

Für die Kühlung wird Strom benötigt, um die Raktoren abzukühlen, die umliegenden Kraftwerke sind jedoch abgeschaltet. Das Kernkraftwerk Fukushima verfügt über zwei Notstromgeneratoren, die die Aufgabe der Stromerzeugung übernehmen sollen, wenn der nicht von extern bezogen werden kann. Die Generatoren sind doppelt vorhanden, falls ein Generator ausfallen sollte. Beide Generatoren sind nach dem Stromausfall in Folge des Erdbebens gestartet, jedoch sind beide nach kurzer Zeit ausgefallen. Eigentlich undenkbar. Danach übernehmen Batterien die Aufgabe der Stromversorgung. Diese können nur kurze Stromunterbrechungen überbrücken, bis die Notstromaggregate wieder anlaufen oder Strom aus anderen Kraftwerken bezogen werden kann.

Die Zeit hat nicht ausgereicht, es ist wohl zur Kernschmelze gekommen, am Reaktorblock 1, das gleiche droht nun am Reaktorblock 3. Die Folgen: unabsehbar.

Bei uns werden nun die Diskussionen um die Atomkraft wieder entflammen. Frau Merkel und Herr Röttgen werden uns erklären, dass ein Unglück wie in Japan bei uns unmöglich ist. Vor einer Woche hätte man dies in Japan auch behauptet. Alle Techniken waren auf alles gerüstet, was man sich vorstellen kann. Ein Erdbeben der Stärke 8,4 halten die Atomkraftwerke aus, im Falle eines Falles werden Notstromgeneratoren dafür sorgen, dass die Reaktoren abgeschaltet werden können, die sind doppelt ausgelegt. Und wenn die nicht mehr funktionieren, dann werden die Batterien so lange Strom liefern, bis wieder ausreichend Strom verfügbar ist.

Das Erdbeben hatte eine Stärke von 8,9, beide Generatoren sind ausgefallen, die Zeit, in der die Batterien den Stromausfall überbrücken sollten, hat nicht ausgereicht.

Bei uns stellt die Atomkraft eine Brückentechnologie dar, so die Haltung der Regierung. Durch die aktuelle Regierung ist die Brücke verlängert worden (die Laufzeit der Atomkraftwerke). Wo führt die Brücke eigentlich hin und ist die Brücke so konstruiert, dass man umkehren kann?

Wir werden belehrt werden, dass die Brückentechnologie Atomkraft alternativlos ist. Anlternativlos sind jedoch nur die Folgen eines atomaren Unfalls.

Das Undenkbare zu denken, das Unwahrscheinliche als wahrscheinlich anzunehmen, die Konsequenzen von Entscheidungen und Technologien im Fall des Scheiterens zu Ende zu denken, ist die Aufgabe, die nun vor uns liegt.

Unter dem Eindruck 25 Jahre nach Tschernobyl und ein paar Tage nach Fukushima ist mein Votum: ABSCHALTEN!

Klaus Wiegand Atomkraft, nein danke!


Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 17. November 2018 um 21:20 Uhr  

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