Start Happerschoß So war es früher Der Blick zurück in die Geschichte von Happerschoß

Der Blick zurück in die Geschichte von Happerschoß

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Happerschoß – erstmals erwähnt in einer Urkunde aus dem Jahr 1054

happerschoss_urkunde_1054_kleinDie älteste Urkunde, in der Happerschoß erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 1054. Sie beweist, dass die Gründung von Happerschoß schon weit vor diesem Zeitpunkt liegen muss. Das Gebiet der Südbergischen Lößhochflächen wurde in der zweiten mittelalterlichen Rodeperiode besiedelt. Diese reichte von etwa 800 bis 1300. Wahrscheinlich ging die Besiedlung von Siegburger Gebiet aus, das zusammen mit Bonn schon um 500 als fränkisches Kernland angesprochen werden muss. In welchen Zügen die Besiedlung verlief, ist nicht auszumachen. Die Namenkunde und die älteste Urkunde geben uns die Möglichkeit, den Gründungszeitraum von Happerschoß etwas genauer zu beschreiben.

fruehe_landkarte_mit_happerschossDer Name Happerschoß, der in der Urkunde von 1054 - haperscozze - genannt wird, ist aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt. Dem ersten Teil „happer” (haper) dürfte ein Personenname zugrunde liegen. Man hat daraus auf den Namen eines „Haduber” geschlossen, der möglicherweise hier eine Villa, einen Hofbezirk, errichtet hat. Das geschah im Wege der Rodung. Der Fränkische Adel suchte durch Rodung Ersatz für die durch dauernde Teilungen wertlos gewordenen Güter zu finden. Mit Hilfe von Kriegsgefangenen und Hörigen wurde das Land gerodet und für die Landwirtschaft erschlossen.

Für das Namenwort „-schoß” kann man die heutige Bedeutung „Vorspringendes - Spitze - Ecke - Winkel - Gipfel” ansetzen. Die Träger dieses Namens, die auch Ortsnamen auf „-scheid” tragen, liegen alle an den Enden langgestreckter Höhenzüge. Die Bedeutung beider wird man mit „Bergvorsprung” sinngemäß übersetzen können. Als Hauptblütezeit der „-schoß” und „-scheid” Namen gilt die zweite Rodeperiode, die für das Bergische Land zwischen 1000 und 1300 anzusetzen ist. Übersetzungen wie „haperscozze” = „höhenkotten” oder „haferberg” dürften sich als falsch erwiesen haben. Mit Hilfe der Erklärung der Ortsnamen und der Urkunde von 1054 lässt sich die Gründungszeit von Happerschoß auf die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts festlegen. Dieses lässt sich mit Hilfe des Kirchenpatroziniums erhärten. Jede Zeit der christlichen Geschichte hat hervortretende Patrone, denen zu bestimmten Zeiten besonders viele Kirchen geweiht wurden.

koenigin_richeza_von_polenDie Kirche von Happerschoß ist dem hl. Remigius, Bischof von Reims (†535), geweiht. Kirchen, die dem gleichen Heiligen geweiht sind, finden wir in der näheren Umgebung in Bonn und Königswinter. Patrozinien des hl. Remigius deuten in vielen Fällen daraufhin, dass die diesem Patron geweihten Kirchen Gründungen fränkischer Grundherren sind oder auf Königsgut errichtet wurden. Remigius-Kirchen entstanden zwischen dem 7. Jahrhundert bis etwa 1200. Die größere Zahl der Gründungen gehört in die fränkische Zeit. Bei den späteren Gründungen spielte schon ein starkes traditionalistisches Moment mit. Man wollte sich ganz bewusst durch den Heiligen der Franken der fränkischen Tradition vergewissern. Eben durch diesen traditionellen Moment wird man den Gründer von Happerschoß in einem Kreise suchen müssen, der der großen fränkischen Tradition besonders verbunden war. Die Urkunde von 1054, die die Königin Richeza von Polen als Herrin über Eigentümer von Gütern in Happerschoß ausweist, führt uns in einen solchen Kreis, das Haus der Ezzonen, der rheinischen Pfalzgrafen.

Richeza war eine Tochter des Lothringischen Pfalzgrafen Ezzo und seiner Gemahlin Mathilde, einer Tochter Kaiser Ottos II und seiner Frau Theophanu. Nach dem Tod ihres Mannes, König Mieszkos, hat sie Polen zunächst mit ihrem Sohn Kasimir regiert, kehrte dann aber in ihre rheinische Heimat zurück. Hier erwies sie sich als große Gönnerin des von ihren Eltern gestifteten Familienklosters in Brauweiler, wo sie nach 1048 eine neue Kirche und ein neues Kloster erbauen ließ. 1063 ist sie auf ihrem Saalfelder Gut in Thüringen gestorben. Ihr Grab befindet sich heute im Kölner Dom. Im Mittelalter wurde sie als Selige verehrt.

das_gebiet_auelgauDie Ezzonen amtierten im Auelgau, jenem Bezirk, der sich seit der fränkischen Gaueinteilung am Ostufer des Rheins und zu beiden Seiten der Sieg ausdehnte. Seit 948 sicher, wahrscheinlich aber schon vorher, erschienen Konradiner, Vorfahren der Ezzonen, als Grafen im Auelgau. Die Besitzungen, über die sie hier verfügten, waren soweit sich feststellen lässt, Königsgut. Das ergänzt sich gut zur Aussage der Urkunde von 1054, in der Richeza aus dem Hause der Ezzonen, Schenkungen aus wohl pfalzgräflichem Besitz bestätigt. Somit lässt sich sagen, dass die Gegend um Happerschoß, einstmals königliches Gut, um 1000 von Ezzonen selbst oder ihren Amtsträgern gerodet und kultiviert wurde. Sie errichteten dort eine Villa, einen Gutsbezirk mit Kapelle, die sie dem fränkischen Patron Remigius weihten. Es ist anzunehmen, dass die Villa gleichzeitig Gerichtsbezirk wurde. Das Königsgut wurde von den Ezzonen allodiflziert, d.h., sie behandelten es als ihr Eigentum. Nur so konnte Richeza 1054 darüber verfügen und der Abtei Brauweiler, ebenfalls einer pfalzgräflich-ezzonischen Gründung, dort ein Haus mit Land schenken, das den Ertrag von 24 Denaren Pachtgeld einbrachte.

Geschichtlich wurde der Auelgau als Gebiet erstmals 722/723 als „aualgawe” erwähnt. Pfalzgraf Herman vererbte das Gebiet des Auelgaus seinem Sohn Ezzo, dem Begründer des Geschlechts der Ezzonen. Ezzos Sohn Hermann hatte aber als Erzbischof von Köln (Hermann II Erzbischof von Köln 1036-1056 Beiname der „Edle”, Enkel der Kaiserin Theophanu, empfing 1049 Papst Leo IX und Kaiser Heinrich III in Köln.) die wichtige Tomburg bei Rheinbach und die Abtei Brauweiler an das Erzbistum Köln übereignet. Dessen Nachfolger Erzbischof Anno von Köln erwarb daraufhin weitere Güter der Ezzonen. In der Folge kam es zu einem Krieg zwischen dem Erzbischof und den Ezzonen, der letzlich mit der Übereignung des Michaelsbergs an das Erzbistum endete. Dieses wandelte die konkurierende Burg 1066 in ein Kloster um.

Bernd Pützstück

(Dieser Artikel und die Bilder wurden den Informationsblättern des Heimatvereins Happerschoß e.V. entnommen – Ausgaben 2/2011 und 3/2011)


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 18. März 2012 um 15:18 Uhr  

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