Start Happerschoß So war es früher Happerschoß an der Sieg (Teil 1)

Happerschoß an der Sieg (Teil 1)

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1900_st_remigius(Dieser Artikel erschien am 29. Januar 1931 im General-Anzeiger)

Von Siegburg aus oder auch von Hennef führt uns eine einstündige Fußwanderung auf die Höhe, die das alte Dorf mit dem eigenartigen Namen trägt. Von dieser Höhe, es ist im Rhein-Siegtale die erste der bergischen, hat man bei klarem Wetter eine wunderbare Fernsicht über Siegburg mit seiner alten Abtei und die Wachtürme von Zündorf, den silbernen Rhein bis nach Köln hin auf die Türme des altehrwürdigen Domes. Nach Westen hin reiht sich der Kranz der sieben Berge an, der dann in die Hügelkette der Siegberge überzuleiten scheint. Nach Südosten und Nordwesten fließen kleine Regen- und Waldbäche der Bröl und dem Wahnbach zu.

1900_happerschoss_anno_strasseSchon um das Jahr 1054 wird haperscozze in einem Schenkungsverzeichnis der Königin Richeza an die Abtei Brauweiler erwähnt. Für den wirtschaftlichen Wert spricht die Tatsache, daß ein Häuschen mit 15 Morgen immerhin jährlich 24 Denare aufbringt. Und das wir es mit einem größeren Dorf zu tun haben, beweist die einige Jahre später von Erzbischof Anno II von Köln erbaute und geweihte Kirche, (ecclesiam in Haperscoz ab eo constructam et consecratam) - er hat sie selber erbauen lassen und eingeweiht. - Der Kirchlichen Gerichtsbarkeit der Abtei Siegburg war der Ort Untertan, aber er genoss das Vorrecht, von allen Dienstleistungen befreit zu sein, wenn die Einwohner den jährlich dreimal abzuhaltenden Synoden des Dekans in Geistingen beiwohnten. Für manche Orte der Umgegend waren besonders die Verpflichtungen drückend, dass sie, um der Taufe und des Begräbnisses willen, oft zur weit entfernten Abteikirche hin mussten. Die Happerschosser waren frei davon! Außerdem ist noch bemerkenswert, dass sich hier ein Frey-Gericht seit alten Zeiten befunden hat, das 1555 ausdrücklich in einer Beschreibung der Gerichtsverfassung des Herzogtums Berg folgendermaßen erwähnt wird: "Item ist noch in dem ampt Blankengerg zu Happerschoß ein fry gericht meinem gn. Herrn (dem Herzog von Berg) zustendig, wird aber neben dem scholtheißen (Schultheiß) mit 8 geborn und darzu geerbten scheffen jährlichs dreimal besessen, welche personen alle m. gn. Herrn vereid sein."

beispiel_gerichtsplatzWeiterhin erwähnt diese Urkunde noch folgende interessante Einzelheiten: Einen eigenen Gerichtsschreiber hatte das Gericht nicht, sondern der Vorsitzende ernannte jeweils einen dazu. Das Frey-Gericht entschied in allen Rechtsfragen selbstständig und ließ seine Urkunde, da kein eigenes Siegel geführt werden durfte, von den „ehrbahren Leuthen, die scheffen von Blankenberg bringen, daß sie der stat sigel von Blankenberg vor sie an den briff“ hangen möchten. Handelte es sich aber um größere Prozesse und stand Eid gegen Eid, so waren die Schöffen gehalten, vermutlich weil man jedwede Parteinahme ausschalten wollte, die Sache an das Hochgericht in Geistingen zu verweisen. Berufungen mußten in solchen Fällen bei dem Herzog selbst anhängig gemacht werden. Einen weiteren Beleg für das Frey Gericht und die vollständige Freiheit von allen Abgaben ist in der Bemerkung des schwedischen Obersten zu erblicken, der während des Dreißigjährigen Krieges gelegentlich einer Requisition äußerte: Das ist das dritte Merkzeichen, welches ich im römischen Reich gefunden habe, daß die Einwohner frei von Abgaben sind". Damit meinte er das hölzerne Kreuz auf dem Turm der ehemaligen Pfarrkirche, das solches äußerlich anzeigte. Die Schweden haben die Weigerung der Bauern, Abgaben zu zahlen, die die Bauern unter Berufung auf ihr verbrieftes Recht durchsetzen wollten, mit der Einäscherung des Dorfes beantwortet.

(Bericht ausgesucht und mit Bildern versehen von Bernd Pützstück)

Anmerkungen:
Es handelt sich um einen Artikel aus dem Jahr 1931, die Rechtschreibung wurde nicht an die heutige Rechtschreibung angepasst.
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 26. August 2012 um 16:28 Uhr  

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