Start Happerschoß So war es früher Happerschoß an der Sieg (Teil 2)

Happerschoß an der Sieg (Teil 2)

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HAPPERSCHOSS AN DER SIEG

siegel_stadt_blankenberg_477x788Einen interessanten Beitrag zur Namenkunde der damaligen Zeit und einen Nachweis über den Umfang der Happerschosser Freibank bietet eine Gerichtsurkunde von 1419.

"Wir Christian genant Crysen freischulteis zur zeit, Peter und Henne genant Moische gebrüderen und Abel von Happerschoß freyen, thun kund und zeugen mit disem briff, daß vor Uns und unseren Mitgesellen der freyen bank zu Happerschoß kommen sind zu Happerschoß an die freybank:

grenzstein_850x803her Herman von Vytekoven prior zur zeit des gotteshauß zu Syberg (Siegburg) uf dem berge und Johanes von der Hecken, und haben einander allda zu gericht gegangen vor und nach um absolch erb und gut, so vorzeitengewesen war Christian Cramersburger zu Syberg und gelege ist zu Kaldawe (Caldauen und das auch dingpflichtig und gehörig ist an die vurß (fürstliche) freybank zu Happerschoß, und haben allda gegenwärtig gegeneinander richtlich gedinget mit Ansprüchen und Antworten, daß das also fern kommen ist, daß der Herr Herman Prior das genante erb und gut mit gerichte behalten hat, Johan ab, also als die freyen weisen, das recht ist des freyen weisen,das recht ist des freyen gerichts, und das wir bekennen mit disem briff herrn Herman vurß und das Gotteshaus von Syberg an dem erb und gut lehenhaft, und Johan mit Lehenhaft.

Und dies zum Zeugnis der Wahrheit, weil wir selbst kein Siegel haben, so haben wir Christian Peter Hene und Abel semtlich gebeten die ehrbaren Leuthe die scheffen von Blankenberg, daß sie der stat sigel von Blankenberg von Uns an diesen briff gehangen haben, daß wir scheffen von Blankenberg bekhenen, daß das war ist, so wie vor in diesem briff geschrieven steht, der gegeven ist in den jaren unseres herren, da man schrib Dausent vierhondert und neunzehn uff Sent Margarethen avendt h. Jungfrau."

Hiermit ist also bezeugt, dass Kaldauen noch zur Gerichtsbarkeit von Happerschoß gehörte und dass selbst der Prior des Klosters in Siegburg zum Ankauf eines Ackers dorthin musste. Die selbstbewusste Bauernschaft des Dorfes hielt 1644 einen genau beschriebenen Bannbegang ab, um ihre Grenzen allen ins Gedächtnis zu rufen und die benachbarten Dörfer daran zu erinnern, dass sie (die Happerschosser Bürger) das Weidevorrecht besaßen.

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Es wurde damals viel Vieh gehalten, besonders ertragreich scheint die Schweinezucht gewesen zu sein. Die Eichenwälder boten ja auch genügend Fraß, und eine Verordnung verbietet das Fällen junger Eichen, um die Futterplätze nicht eingehen zu lassen. Das Dorf war rings von einem hohen Lattenzaun umgeben, der das Ausbrechen der Schweine während der Zeit der Reife verhüten sollte "von ahnfangs Monats May bis zu Sankt Jakobi" (25. Juli). Der "Verkeshirt", wie er in anderen Urkunden genannt wird, musste ein tatkräftiger Mann sein, der sich auch gegen etwaige Wildtiere schützen musste, denn vereinzelt haben damals noch Wölfe und Bären in dieser Gegend gelebt.

Der das Dorf umgebende Lattenzaun, ursprünglich nur zum Schutz gegen wilde Tiere des Waldes, erfüllte später den Zweck, die Fluren vor dem Wühlen der Schweine zu bewahren. Kam aber die Zeit der Schweinemast, dann trat der Hirt seine Arbeit an. "Sobald die Gemeinde einen Schweinehirten angeordnet, solle ein jeder, so Schweine haltet groß und klein, so zu Weiden gehen bequem, dem Hirten vortreiben (zutreiben) wann der Hirt geblassen, dem Hirten sein Essen darreichen nach Betrag des Viehes auch den einsgewordenen Lohn, damit der Hirt nicht verdrössig werde, auch die Hut im Gange bleibe, jederzeit jährlich bezahlen. Der sein Vieh deme zugegen nicht vortreiben würde, solle nicht allein den völligen Lohn, Kost und sonstigen daraus entstehenden Schaden bezahlen, sondern auch noch mit einem Dahler wirklich bestraft werden".

Besondere Bestimmungen gab es, die für die Rückkehr des "Verkershirt" galten, denen zufolge jeder sein Vieh sofort in seinen Stall treiben sollte und es die Strafe eines Dahlers nicht nachts frei auf den Gassen umherlaufen lasse. Die Nachtwächter sind gehalten, gut obacht zu geben, wem die nachts frei laufenden Schweine gehören, damit der Eigentümer auch wirklich bestraft werde. Eine besondere Sorge der Ortsvertreter bildete die Instandhaltung des Zaunes. Jeder hatte ein Stück instand zu halten und sollte auch den Nachbarn "vürbringen" wenn er nicht seiner Pflicht nachkomme. Empfindliche Strafen waren für die Säumigen angesetzt. Trotz der kriegerischen Zeit scheint man doch auf gute Ordnung gesehen zu haben.

(Bericht ausgesucht und mit Bildern versehen von Bernd Pützstück)

Hier gelangen Sie zu Teil 1.


Zuletzt aktualisiert am Montag, den 27. August 2012 um 20:51 Uhr  

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