Start Happerschoß So war es früher Happerschoß an der Sieg (Teil 3)

Happerschoß an der Sieg (Teil 3)

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Happerschoß an der Sieg

teil_3_03_800x695So war es auch Aufgabe der oben erwähnten Nachtwächter, darauf zu achten, dass niemand nachts die Flurgrenzsteine versetze. Auch war eine Bestimmung für die ganze Gegend in Kraft, dass wenigstens alle vier Jahre die Limiten (Grenzen) und die Hut (gemeinsame Weideplätze) umgangen wurden, wobei eine scharfe Kontrolle stattfand.

Eine Urkunde aus dieser Zeit möge hier zur Charakteristik eingeschaltet werden:

teil_3_01_800x625"Weilen auch durch Machung ungebührlicher Wege nicht allein Schaden, sondern auch Flüche und Gotteslästerung verursacht wird, so soll derjenige, so darüber ertappt, auch willkürlich über besaamte Ländereien fahren oder hüten würde, auf Betreten jedesmalen mit einem Dahler bestraft werden. Daher einer oder ander bei Tag oder Nacht dem anderen in seinem Garten oder sonstigen Gütern, wie sie auch Namen haben, das Gemüß Rüben, Möhren, Obst, Früchten, Holz usw. ohne Unterschied wegnehmen und entführen würde, solle auf Betreten dem Beschädigten nicht nur den verursachten Schaden vergüten, sondern anbey von der Gemeinde, der Gebühr und des getanen Verbrechens bestraft werden mit zwei Reichsthaler. Weilen auch der Augenschein giebt, auch vor Gott und heilsamer Welt unverantwortlich und nicht zu dulden, daß ein jeder ohne Unterschied auf hiesigen Eigentumsbuschen nach seinem Wohlgefallen nicht allein Brand-, Zaun- und Bindgehölz, auch zu ihrem Garten Türkenbohnen-Rahmen, Weingarts-Rahmen (Rebstangen) und Stickelsreiser weghauen, die Eichen stuppen und was schändlich anzusehen ist, verderben, sondern auch Meyen hauen und das grüne Laub strappen, das alte Geläubs aufscheren und ihres Gefallens nach Haus führen und tragen, so solle forthin keiner er sei wer er wolle, anders kein Holz, dann auf dem Seinigen hauen und holen, daher sonsten die Uebertreter durch die dazu benannte Schützen angegeben und gebührend jedesmalen des begangenen Diebstahles halber mit einem halben Dahler gestraft werden solle, und diejenigen, welch Büsche haben, sollen gehalten sein, jährlichs zwei Eichen auf ihre Busche zu setzen bei Straff eines Orts Dahlers."

Dabei wird aber in der Verordnung auch noch erwähnt, dass das Interesse d.h. höhere Bestrafung seitens des Landesherrn, meist natürlich bei Rückfälligen, vorbehalten bleibe. Dieser Verordnungsausschnitt beweist, dass in der "guten alten Zeit", die Orts- und Flurpolizei nicht nur sehr stark beschäftigt war und wahrscheinlich auch von "guten alten Zeiten" gesprochen haben wird, sondern auch frühere Zeitungen unter der Rubrik „Vor dem Strafrichter“ ähnliche Verhandlungen wie heute hätten mitteilen können.

Damit den Flurschützen der Überwachungsdienst auch zur wirklich persönlichen Angelegenheit wurde, wurde bestimmt, dass ihnen ein Teil des Strafgeldes als Lohn gezahlt werde.
Weitere Verordnungen muten uns gar nicht mittelalterlich an, denn in den Aufgabenkreis der Hüter wurde die Aufsicht über die Brunnen mit einbezogen, die oft beim Auswaschen der Wäsche ein nicht appetitliches Bild abgegeben haben mögen. Deshalb soll bei Strafe eines halben Dahlers auch geboten sein:

"Weilen auch verspürt wird, daß buy dem Pütz vor der Pforten ein und anderes Leinengewand und unsaubere Kinderwindeln gewaschen werden, wodurch der Pütz verunreinigt wird, so solle forthin niemand anderster denn drey Schritt von gemeltem Pütz dergleichen Sachen reinigen".

So haben die Bewohner von Happerschoß recht schlecht auf ihrer einsamen Höhe gelebt und nach dem dreißigjährigen Krieg mit Fleiß ihren zerstörten Ort wieder aufgebaut, so dass die schlimmen Zeiten bald vergessen waren und sich der Dorfgewaltigen Arbeitskreis, wie wir oben gesehen haben, auf das Gebiet kleinlich-dörflicher, komischer, oft lustiger Kriegsführung gegen meist harmlose Übeltäter an Dorf- und Gemeindegut richten musste.

Um das Jahr 1700 lockte die einsame, stille, waldreiche Gegend den Einsiedler Antonius von Hermülheim in die Nähe des Ortes, und heute noch glaubt man die frischsprudelnde Quelle, die Schloß Allner mit Wasser versorgt, als die Stelle bezeichnen zu können, die der Eremit sich als Klausnerstätte erwählt hatte.

(Bericht erstellt und mit Bildern versehen von Bernd Pützstück)


[Zeitungsbericht (Rundschau 18. November 1968)]

teil_3_02Grabanlage aus dem Mittelalter gefunden

Graben in Happerschoß gehört zu Ringwällen

Happerschoß. Eine alte Grabenanlage wurde in der Happerschosser Flur „Auf der Burg“ entdeckt. Sie liegt etwa 1100 Meter südwestlich der Kirche von Happerschoß, und zwar oberhalb des Siegtales.

Sie ist etwa 20 Meter breit. Der Graben war noch bis 20 Meter tief erhalten und schließt im Westen und Süden
an tiefe Bacheinschnitte an.

Der nördliche Teil dieses Grabens ist früher als Weg benutzt werden – wahrscheinlich zur Holzabfuhr, Aus dieser Zeit stammen vermutlich auch etliche Steine sowie der modere Schutt auf der Grabensohle.

Im westlichen Teil ist der Graben sehr flach. Dort stand wahrscheinlich eine Erdbrücke, die einen Zugang gebildet haben könnte. An der Stelle, an der der Graben im Süden den Wald berührt, reicht er bis in eine Tiefe von ungefähr 4 Metern. Es ist hier 6 bis 8 Meter breit.

Die vom Graben und den seitlichen Bacheinschnitten umschlossene Fläche hat eine Ausdehnung von etwa 300 zu 250 Metern. Beim Absuchen des Ackers wurden mittelalterliche Funde festgestellt.

Nach den Untersuchungen des Rheinischen Landesmuseums Bonn gehört die Anlage zu der Gruppe. der frühmittelalterlichen Ringwälle und Abschnittsbefestigungen.


Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. November 2012 um 01:08 Uhr  

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