Start Happerschoß So war es früher Happerschoß an der Sieg (Teil 4)

Happerschoß an der Sieg (Teil 4)

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Happerschoß an der Sieg

kapelle

Besondere Erwähnung verdient aus dieser Zeit der Küster, dem auch neben den kirchlichen Obliegenheiten aufgegeben war, die Wetterglocke zu läuten, das heißt den Landmann durch besondere Läutesignale auf drohende Unwetter aufmerksam zu machen. Er scheint über einen nicht alltäglichen Durst verfügt zu haben. Denn, als er nichts mehr hatte, um seine um seine Zechschulden bezahlen zu können, versuchte er das Küsteramt für eine Zechschuld zu verkaufen.

Der Pfarrer nahm aber die Kirchenschlüssel an sich, und wir wissen nicht wie die durstige Seele weiterhin sich die Mittel verschaffte, das gewohnte Quantum Alkohol zu bekommen, denn Küster wird nunmehr der ehemalige Pförtner der Siegburger Abtei, der auch später der Kirche sein Haus schenkte. Der Küster war auch gleichzeitig Lehrer und verbesserte so sein nicht allzu großes Einkommen. Außer den Naturalleistungen und den geringen Bareinnahmen stand dem Küster das Recht zu, an gewissen Tagen des Jahres beim Pfarrer zu Gast zu sein.

taufbuch

Titelseite des ältesten, im Jahre 1673 beginnenden Taufbuches von Happerschoß. Dort bittet Pastor Antonius Hülsmann zu Gott, er möge das Taufbuch vor Feinden behüten. Das frühere Buch hätten „unsere gallischen Freunde“ weggeschleppt. "Denn am 29. Oktober 1672 (vor genau 340 Jahren) haben sie den gesamten Kirchenzierrat geplündert und dabei nicht einmal die heiligen Hostien und Heilig-Ölgegefäße geschont."

Wahrscheinlich ist es der für diese Tage besonders trainierte Appetit und das nachfolgende große Loch in des Pfarrers Speisekammer gewesen, die den unfreiwilligen Gastgeber veranlasst haben, darauf zu dringen, dass ihm diese Verpflichtung gegen eine Geldentschädigung an den Küster genommen wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts führt das Kirchenbuch an Naturalleistungen für den Pfarrer auf:

  1. Aus dem der Abtei zustehenden Zehnten je 14 Malter Roggen und Hafer
  2. Aus der Kirchenkasse an fünf hohen Feiertagen je eine Flasche Wein, doch war der Inhalt nicht etwa nach dem Inhalt der Kirchenkasse zu bemessen, sondern genau festgelegt. Es durfte die Flasche nicht unter zwei alte Maß, das ist 1 Liter, enthalten.
  3. Um Weihnachten brachte die Gemeinde dem Pfarrer das Frühmessen- Korn, das ca. 5 Malter ausmachte.
  4. Zu Neujahr hatte dann jeder Haushalt ein Pfund Flachs abzuliefern. Dazu kamen dann nur noch die Einnahmen aus den kirchlichen Verrichtungen.

grabsteinIm Laufe der Zeit sind alle Zehntverpflheilandichtungen abgelöst worden. Zur Zeit der französischen Revolution haben die Happerschosser auch mehrfach unwillkommene Einquartierungen gehabt. Bei Heisterschoss lagen die Franzosen, und links der Sieg bei Warth die Österreicher. Im Schutze des Dunkels wagten die nicht gerade gut verpflegten Truppen dann Requirierungsausflüge in das zwischen ihnen liegende Happerschoss, bis kein Stück Vieh, weder Kuh noch ein Huhn übrig war. Auch die Kirche wurde zweimal geplündert.

Die Armut war groß, so dass sich wenige Jahre später der Pfarrer entschloss, einen großen Eichenbestand zu verkaufen, um der Not in etwas gegen zu steuern. Heute noch erzählen die Großväter, die es von ihren Vätern wissen, wie bald danach im Jahre 1807 ein großer Brand das Dorf zerstörte, und auch die schöne, uralte Kirche aus dem 11. Jahrhundert mitverbrannte. Fast nichts konnte gerettet werden. Es sollte den Bewohnern des Dorfes, die mit unermüdlichem Eifer an den Wiederaufbau gingen, nicht leicht werden, eine neue Kirche bauen zu dürfen. Denn der damalige Herrscher in Rheingebiet, Napoleon, hatte ja bestimmt, dass in jeder Mairie nur eine Kirche zu bestehen brauche.

So wären dann die Bewohner von Happerschoss gezwungen gewesen, nach Bödingen oder in die Nebenkirche nach Seligenthal zu gehen. Auch der Pfarrer erhielt Nachricht, dass er von nun ab in Seligenthal zu amtieren habe. Allein den vielfachen Bemühungen des Pfarrers Sturm gelang es, neben der als Notkirche eingerichteten Scheune bald eine neue Kirche zu errichten.

Es ist das die heute noch stehende Kirche, ein einfacher Saalbau mit später angebautem Chörchen. Nur wenige Reste der alten Kirche konnten bei dem Bau mit verwendet werden. So ist das Portal mit seinen beiden Säulen aus Resten der von Anno erbauten Kirche zusammengesetzt. Die Glocke hat der Gießer Claren aus Sieglar 1853 gegossen. Rings um die Kirche stehen alte Grabkreuze mit teils verwitterten und teils sehr gut erhaltenen Inschriften. Oberhalb des Dorfes auf halbem Wege des zu Happerschoß gehörenden Dorfes Heisterschoß steht eine Kapelle, die im Jahre 1813 errichtet wurde.
Man schreibt die Veranlassung zum Bau einem Gelübde des Happerschossers Conrad Sommerheuser zu, der gelobt haben soll, eine Kapelle zu errichten, wenn seine Frau von der Gicht geheilt werde. Nachdem seine Bitten erhört worden seien, habe er sich in großer Dankbarkeit ans Werk gemacht, und am 22. Juli 1813 konnte das Heiligenhäuschen, die "Kapelle zum kreuztragenden Heiland" eingeweiht werden. Den Namen hat die Kapelle von dem darin angebrachten Standbild. Wie die Bewohner erzählen, sollen auch nachher einige wunderähnliche Heilungen dort vorgekommen sein, so dass die Bewohner der umliegenden Dörfer häufig dorthin gekommen seien.

Das hat einen früheren Pfarrer veranlasst, nach dem Vorbild des Arenberg bei Koblenz (als Roter Hahn bekannt) einen Kalvarienberg dort errichten zu wollen. Aber aus den Plänen wurde des Geldmangels wegen nichts und sein Plan, dadurch das Ansehen der Kapelle und den Wert des Ortes zu steigern, wenn er nach den Visionen der Katharina von Emmerich einen Kreuzweg baue, schlug fehl.

Heute zählt das Dorf etwa hundert Häuser und ist von einem arbeitsamen Völkchen bewohnt, das wie in früheren Jahrhunderten fleißig bemüht ist, seinen Wohlstand zu heben. Schon frühmorgens wandern viele den nicht kurzen Weg nach den benachbarten Orten mit Industrietätigkeit, um der karg lohnenden Landwirtschaft etwas nachzuhelfen. Und gegen frühen Abend von ihrer Arbeitsstätte zurück, bestellen sie noch den Garten und das Feld. Dafür gibt’s dann aber auch oft das Happerschosser Nationalgericht, das die Frauen des Ortes mit fast unnachahmlicher Schmackhaftigkeit zubereiten sollen: REIBEKUCHEN !

(Bericht erstellt und mit Bildern versehen von Bernd Pützstück)



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 18. Dezember 2012 um 23:15 Uhr  

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