Start Happerschoß So war es früher Happerschosser Zeitungsbote aus der alten Zeit

Happerschosser Zeitungsbote aus der alten Zeit

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Als der "BLADE HANNES" noch die Zeitung brachte

Zur Erinnerung an den 1855 geborenen Johann Zimmermann aus Heisterschoß, gestorben 1938

hannesDie Leser der Tageszeitung sind daran gewöhnt, dass sie schon zur Frühstückszeit ihre Zeitung auf dem Tisch haben und damit gut informiert ihr Tagewerk beginnen können. Für die Zeitungsträger bedeutet das: Sie müssen sehr früh aufstehen und in ihrem Bezirk von Haus zu Haus eilen. Und da das Austragen der Zeitungen in vielen Fällen eine Nebenbeschäftigung darstellt, muss die Arbeit beendet sein, bevor der Beruf beginnt. Die Arbeit als Bote ist ein Nebenjob für Frühaufsteher, zudem geprägt von Hetze und Rastlosigkeit: eine typische Tätigkeit der heutigen schnelllebigen Zeit.

Das war nicht immer so. In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts war es für Johann Zimmermann aus Heisterschoss eine Arbeit, die den ganzen Tag ausfüllte. Gegen 7 Uhr machte sich der "Blade Hannes", wie er genannt, wurde (Blade = Blätter für Tagesblätter oder Zeitungen) von seinem Heimatort aus auf den Weg nach Bröl.

Das Brölbähnchen brachte gegen 8 Uhr seine Blätter, den "Siegboten" mit.

In Bröl begann die tägliche Tour: Wenn er die die Haushalte des Dorfes mit dem Neuesten versorgt hatte, wanderte er den Berg hoch nach Altenbödingen und Bödingen. Das Bödinger Kirchspiel bestand aus vielen kleinen Dörfern; Hannes musste bergauf und bergab marschieren. Über Lauthausen ging es nach Müschmühle und Allner. Mittlerweile war es Mittag, und die Bewohner von Happerschoß und Heisterschoß, seinen letzten Stationen, mussten es hinnehmen, dass sie das Neueste vom Tage erst nachmittags oder am Abend erreichte.

Der Blade Hannes war ein gemütlicher und mitteilsamer Geselle. Er lieferte das Neueste nicht nur als Zeitung, sondern wusste auch selbst viel zu erzählen. Weil er überall herumkam, war er stets über den aktuellen Dorfklatsch gut informiert, und viele seiner Kunden warteten Tag für Tag sehnsüchtig auf die Neuigkeiten aus den Nachbarorten. Diese "Klääfchen" (verniedl. von Klaafen = ein Geschwätz halten) brachten ihm naturgemäß stets auch Einladungen zum Frühstück und Mittagessen ein. Und da allen Leuten seine Vorliebe fürs Kaffeetrinken bekannt war ("häsde noch e Schlüppche Kaffee överich") (hast du noch einen Schluck Kaffee übrig), sprachen sich eines Tages einige Allner Hausfrauen ab und luden ihn nacheinander zum Frühstück ein. Siebenmal hat er sich an diesem Morgen ausgiebig seiner Schwäche hingegeben.

Zu dieser Zeit war es noch Sitte, dass auf jedem Kohleherd tagsüber eine Kaffeekanne warmgehalten wurde. So manche Hausfrau soll den Hannes dabei ertappt haben, dass er sich selber mit Kaffee bediente, wenn er sich unbeobachtet fühlte. Seinen Lieblingstrunk nahm er direkt aus der Kanne, indem er die "Schnuut" (der Ausguss der Kaffeekanne, oder auch der Mund) an den Mund setzte.

haus_in_broelIm September 1930 wäre der "Blade Hannes" um ein Haar wegen seiner Kaffee-Leidenschaft verunglückt. Ein LKW-Fahrer verlor in der Ortsduchfahrt von Bröl die Gewalt über sein mit schweren Papierrollen beladenes Fahrzeug und prallte gegen ein Fachwerkhäuschen, in dem der Hannes gerade mit dem Neef´s Stengche (Verniedlichung, rheinische Mundart = Christine) in der Küche saß, natürlich beim Kaffeetrinken. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das ganze Haus um 25 cm von der Stelle verrückt und der Hannes flog mitsamt dem Stengche und der Kücheneinrichtung ins danebenliegende Schlafgemach. Zeit seines Lebens blieb dieses Erlebnis, bei dem er mit blauen Flecken davonkam, in seinem Gedächtnis haften, und so oft er davon erzählte, hieß es immer: "Dat wor enen schrohen Fall, domols in de Bröl". (schrohen = für häßlich). Eine Nebenbeschäftigung hatte der "Blade Hannes" auch. Sein Sohn Bertram war Schuster in Heisterschoß. Und so nahm er unterwegs reparaturbedürftige Schuhe in Empfang und brachte nach einigen Tagen geflickt zurück.

Das Foto von ihm wurde in den 30er Jahren am Hause Pütz , der ehemaligen Bröler Poststelle, aus Anlass seines 50. Berufsjubiläums gemacht. Fotograf Joseph Müller versteckte vor dem Haus eine Kamera in einer Hecke, und so merkte der Hannes, der gewohnt war, dass beim Knipsen umständlich unter einem schwarzem "Zabbel" (ein Stück Tuch) hantiert wird, nichts. Wenige Tage später erschien ein Artikel mit seinem Foto im "Siegboten", natürlich bemerkte er es nicht, weil er am Morgen und während des Austragens am Tage keinen Blick in die Zeitung warf. Als er später daraufhin angesprochen wurde, sagte er nur: "Do hann ech mech doch de janze Dach seleve durch de Jächend jedrache, ohne dat ech et jemerk hann" (Da habe ich mich doch den ganzen Tag selber durch die Gegend getragen, ohne dass ich es gemerkt habe).
Noch heute ist der "Blade-Hannesbei den älteren Bewohnern der ehemaligen Gemeinden Happerschoß und Altenbödingen in wacher Erinnerung als der Inbegriff der guten alten Zeit mit seiner behäbigen Gangart und gemütlichen Atmosphäre. Viele werden ihn aber auch heute um seine Tätigkeit beneiden, denn der tägliche Gang durch die frische Luft, Wind und Wetter hat ihn stets gesund gehalten und ihn das gesegnete Alter von 83 Jahren erreichen lassen. Johann Zimmermann starb 1938.

(Dieser Bericht erschien am 10.3.1984 in der Rundschau, ausgesucht von Bernd Pützstück)


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. Dezember 2013 um 13:39 Uhr  

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