Start Happerschoß So war es früher Happerschoß brannte im Jahr 1807

Happerschoß brannte im Jahr 1807

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Innerhalb von drei Stunden brannten die Kirche, 36 Häuser und 24 Scheunen nieder

(fp) Happerschoß, das Dorf, das auf einem etwa 200m hohen Bergrücken, dem südlichen Zipfel zwischen dem Wahnbach- und dem Bröltal liegt und unter dem Namen haperscozze 1054 erstmals urkundlich erwähnt wurde, hat in seiner Geschichte schon viele schwarze Tag erlebt. Doch der 11. August 1807 ist der traurigste Tag in der Geschichte des alten Kirchdorfes. Im Jahr 1807 brannten innerhalb von drei Stunden die alte, vom hl. Anno II (Kölner Erzbischof von 1056 - 1075) erbaute St. Remigius-Pfarrkirche sowie 36 Wohnhäuser und 24 mit Getreide angefüllte Scheunen nieder. Das halbe Dorf wurde damals das Opfer einer unvergesslichen Brandkatastrophe.

1920_ansicht_happerschoss„Nachdem Happerschoß in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) von den Schweden zum größten Teil in Schutt und Asche gelegt und am 28. Oktober 1672 von den Franzosen zerstört und ausgeplündert worden war, brach jedoch am 11. August 1807 der jammervollste Tag über Happerschoß herein", erzählt der orts- und heimatgeschichtskundige Bernd Pützstück. Der damalige Pfarrer Sturm (1806-1833) hat die schrecklichen Stunden in seinen Aufzeichnungen geschildert. „In den späten Nachmittagsstunden gellte plötzlich das Feuerhorn. Vom Wind begünstigt, waren innerhalb von drei Stunden die o. g. Gebäude ein Raub der Flammen", wie er berichtet. In einer 1966 von der Kath. Kirchengemeinde St. Remigius Happerschoß aus Anlass der 900jährigen Geschichte des Dorfes herausgegebenen Broschüre ist sein Bericht an das Generalvikariat zu lesen. Er schreibt weiter: „Die Altarsteine der Nebenaltäre sind durch den Brand zersprungen, wie auch unsere Kirche mit allen Gerätschaften, alle Glocken, der hölzerne Haupt-Altar, Kanzel, Kommunikanten-Bank, Beichtstühle, Kirchenstühle, Messgewänder verbrannt sind. Überhaupt ist alles, ausgenommen Monstranz, Ciborium und Kelch, welche ich mit eigener Lebensgefahr den Flammen entrissen habe, ein Raub der Flammen geworden. Ferner wurden gerettet die Statuen von Maria und Josef sowie die des hl. Anno". Die damaligen unruhigen Zeiten ließen zunächst keinen Gedanken an einen Wiederaufbau der Happerschosser Kirche aufkommen. Zudem hatte jeder im Dorf mit der Reparatur und dem Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Scheunen genug zu tun, denn viele hatten ja ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Das Großherzogtum Berg, das mittlerweile die Rechtsnachfolge der Abtei Siegburg (die sich zusammen mit den Einzelgemeinden Hennef und Lauthausen bis 1803 die Baupflicht über die Kirche teilten) übernommen hatte, dachte einstweilen nicht daran, seiner Baupflicht nachzukommen. Zudem befahl zu dieser Zeit ein Napoleonisches Dekret, eine neue Pfarrorganisation vorzubereiten, bei der Happerschoß die Gefahr drohte, seine Pfarr-Rechte zu verlieren sogar auf eigene Kosten die Kirche wieder aufbauen. Nur dem unermüdlichen Kampf von Pfarrer Sturm, dem Generalvikariat und den Regierungsstellen ist es zu verdanken, dass Happerschoß heute noch eine Kirche hat. Man kann also durchaus Parallelen erkennen zwischen der Zeit vor 200 Jahren und heute, wo es Bestrebungen gibt, Pfarreien aufzulösen bzw. sie zu Pfarrei-Gemeinschaften zusammen zu legen.

1902_ansichtskarte_happerschossNach dem Brand dauerte es noch 11 Jahre, bis der Ort wieder ein Gotteshaus erhielt. „In diesen elenden Umständen", so schreibt Pfarrer Sturm, „saßen wir noch bis im Jahre 1818 ohne Kirche, wo ich mich ... um den Gottesdienst zu verrichten, bald in Zimmern, bald in Scheunen unter Hitze und Kälte und Regen, Schnee und aller Ungewitter begeben musste, weswegen ich die Gicht mir zugezogen, woran ich Tag und Nacht leide", klagt der Geistliche. Am 18. August 1818 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche angefangen. Um den Wiederaufbau erwarb sich u. a. der damalige Landrat Freiherr von Loè (+1850) große Verdienste. Die neue Kirche wurde bereits am 12. Dezember 1818 fertig gestellt. Wer heute durch das Dorf geht, kann sich noch an mehr als 20, zum Teil liebevoll renovierten Fachwerkhäusern erfreuen, die wahrscheinlich alle nach dem großen verheerenden Brand wieder aufgebaut oder repariert wurden. Nicht nur Bernd Pützstück hofft, dass diese noch lange erhalten bleiben und zur Verschönerung des über 950 Jahre alten Dorfes beitragen.

Ein Artikel aus dem Stadtecho Hennef, 2007 - Woche 33



Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 18. März 2012 um 15:20 Uhr  

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